Ein Dach über dem Kopf

Armut hat sehr viele Gesichter – eins davon ist die Obdachlosigkeit. Diese Menschen sind dazu verdammt, bei jedem Wetter draußen „leben“ zu müssen. Sie können sich nicht gesund ernähren und ihre Wäsche nicht regelmäßig waschen und wechseln. Sie genießen nicht den gesundheitlichen Schutz, den die allermeisten von uns beanspruchen können. Und ob sie echte Freundschaften aufbauen können, wage ich zu bezweifeln.

Glücklicherweise gehöre ich zu den armen Menschen, die sich eine Wohnung noch ermöglichen können. Dort bin ich vor Wind und Wetter geschützt, kann meine Wäsche waschen, mich gesund ernähren und jederzeit ärztliche Behandlung beanspruchen. Und ich kann mich in meine „Höhle“ zurück ziehen, wenn ich mal allein sein will.

Und obwohl ich 20% unterhalb der offiziellen Armutsgrenze lebe, kann und muss ich von mir sagen, dass es mir noch verhältnismäßig annehmbar geht, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes ein Dach über dem Kopf habe.

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Glaubwürdigkeit meiner Blogeinträge

Ich schreibe hier viel über Menschlichkeit, Frieden, Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit und viele andere Charaktereigenschaften, die ich von meinen Mitmenschen erwarte oder manchmal auch fordere.

Damit will ich keineswegs sagen, dass ich diese Eigenschaften alle selber besitze, dann wäre ich ein perfekter Mensch. Und das kann ich nicht sein, und das will ich auch nicht sein. Doch ich bin davon überzeugt, dass ich auch über Eigenschaften schreiben und sie mir wünschen darf, die ich selbst nur unvollkommen lebe bzw. leben kann.

Für mich bedeuten diese niedergeschriebenen Gedanken in erster Linie eine Auseinandersetzung mit mir selbst. Andere will ich nicht belehren, sondern ihnen Denkanstöße geben.

Eine engstirnige Sichtweise

Weit über zehn Jahre war ich arbeitslos. Und auch heute spüre ich noch die Folgen. Aus dem zeitlichen Abstand und vielen Gesprächen kann ich mein damaliges Denken kritisch hinterfragen – ein Denken, dass ich heute durchaus als engstirnig bezeichnen kann:

Ich war darauf versteift, unbedingt wieder eine versicherungspflichtige Stelle in der Verwaltung zu finden und habe mich dadurch unfähig gemacht, über den Tellerrand zu schauen. So hätte ich sprachlich etwas versuchen können, z.B. Synchron- oder Hintergrundsprecher. Von meinen Fähigkeiten wäre das etwas für mich gewesen. Das Arbeitsamt hätte mich auch unterstützt, meine Arbeitsberaterinnen waren sehr offen für Eigeninitaitven.

Auch meine Weigerung, ehrenamtlich zu arbeiten, gehört zu diesem engstirnigen Denken. Ich habe mir immer gesagt, dass ich mit meiner Arbeit Geld verdienen und Arbeitgebern nicht kostenfrei meine Arbeitskraft zur Verfügung stellen will. Den gefühlsmäßigen Anteil hatte ich gar nicht bedacht. Nach drei Jahren Ehrenamt kann ich jetzt sagen, dass ich in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit viel Anerkennung erhalte, was wiederum mein Selbstwertgefühl stärkt. Ob es bei meiner Arbeitssuche geholfen hätte, lasse ich mal dahin gestellt . . .

Heute kann ich meine damalige Denkweise als engstirnig bezeichen. Beruflich (finanziell) hilft mir das auch nicht weiter. Ich kann nur versuchen, die Enge in meinem Denken Schritt für Schritt mehr zu öffnen.

Wenn einer eine Reise tut . . .

. . . dann kann er was erzählen. Und er kann erzählen ohne jeden wissenschaftlichen oder fachlichen Hintergrund, weil Reisen immer viele Eindrücke hinterlassen, die spannend und erzählenswert sind. Über Reisen hört man in jeder geselligen Runde sehr gerne.

Und leider gehöre ich in solchen Runden immer wieder zu den Zuhörern, weil ich schon seit vielen Jahren keine Reisen machen kann. Auch sonst bin ich kein Fachmann und habe in keinem Bereich vertieftes Wissen. Das muss auch nicht schlimm sein, weil das Leben so vielfältig ist, dass im Grunde jeder Mensch etwas zu erzählen hat.

Mein Kernproblem liegt auf einer anderen Ebene: Es gibt in „meinen“ Gruppen immer wieder Menschen, die das Gespräch an sich reißen. Da ist es für mich sehr schwierig bis unmöglich, mich einzubringen. Diese Menschen nehmen auch keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen – entweder schafft man es, in dem Bruchteil einer Sekunde ins Gespräch zu kommen, in dem sie mal durchatmen oder man weist sie direkt darauf hin, dass es in der Gruppe noch andere Menschen gibt, die etwas sagen möchten. Doch dann riskiert man den Vorwurf der ganzen Gruppe, die (gute) Stimmung zu verderben.

Es ist keine Ideallösung, wenn ich versuche, mich darüber nicht zu ärgern, sondern „einfach nur“ zuzuhören. Ich könnte solche Menschen auf ihre Rücksichtslosigkeit hinweisen, doch ist mir das zu anstrengend und Risiko beladen. Ich hoffe, es gelingt mir mit der Zeit, die „Weisheiten“ der anderen zu „genießen“ und mich zu gegebener Zeit aus einer solchen Gruppe zurück zu ziehen – auf welchem Wege auch immer.

Es gibt sie noch – die Mut machenden Neuigkeiten

In einem kleinen, Inhaber geführten Café habe ich heute eine erfreuliche Geschichte mitbekommen:

Eine ältere Frau, die dort zugleich Stammgast ist, war nach längerer Zeit wieder dort zu Gast. Die Bedienung sagte ihr, dass sie sich sehr freue, sie wieder begrüßen zu dürfen. Sie hätten sich schon Sorgen um sie gemacht und bei der Polizei nachgefragt, ob etwas Schlimmes geschehen sei. Das war glücklicherweise nicht der Fall.

Solch kleine Geschichten, die im Grunde große Geschichten der Menschlichkeit sind, machen mir immer wieder Mut, an das Gute in den Menschen zu glauben.

Soziale Verteidigung ist wichtiger denn je

Von militärischer Verteidigung liest und hört man in den Medien. Doch wer hat schon von „sozialer“ Verteidigung gehört. Ich kenne diesen Begriff nur vom Bund für soziale Verteidigung. Diese Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, gewaltfreie Alternativen zur militärischen Verteidigung zu diskutieren und zu entwickeln. Das ist dringender als je zuvor, weil die weltweiten Rüstungsausgaben so hoch wie nie zuvor sind und in ganz Europa das Erstarken rechter Bewegungen und Parteien zu verzeichnen ist.

Das kann jedoch nur gelingen, wenn der Begriff „soziale“ Verteidigung weiter gefasst wird. Er muss im eigenen Land die Verteidigung und Wiederherstellung sozialer Errungenschaften beinhalten: steigende Mieten, der Abbau von Arbeitnehmerrechten, die Vertiefung der Armut in unserem Land, die für die Betroffenen in der Regel zum Ausschluss von sozialen Angeboten führt und das Ausbleiben echten politischen Kampfes durch die Gewerkschaften führen zu Unzufriedenheit, Verzweiflung und oft Aggressivität.

Es gibt viele Organisationen, die echte und zielgerichtete politische Arbeit leisten, doch es mangelt ihnen vor allem an zwei Voraussetzungen – an einer guten Vernetzung und an Geld.

Warum ich seinerzeit die Gewerkschaft verlassen habe

Seit meinem Studium war ich jahrzehntelang Mitglied einer DGB-Gewerkschaft. Ich habe sie immer für die Organisation gehalten, die meine Interessen vertritt. Das war auch viele Jahre so. Doch mit der Zeit musste ich erkennen, dass die Gewerkschaft immer mehr auf die Arbeitgeberseite gewechselt ist. Immer mehr hatte ich den Eindruck – auch aus eigener Erfahrung -, dass die Gewerkschaften schwerpunktmäßig eine Aufgabe sehen:

Sie arbeiten und kämpfen nicht (mehr?) vorausschauend, planend, kreativ und initiativ für die Interessen ihrer Mitglieder und somit aller Arbeitnehmer, sondern übernehmen mehr und mehr die Aufgabe, unangenehme Entscheidungen der Unternehmerseite ihren Mitgliedern „sozial“-„verträglich“ zu verkaufen. Es mag da bestimmt rühmliche Ausnahmen geben, aber eben nur Ausnahmen.

Auch als ich als Arbeitsloser zweimal hier in Solingen erfolglos versucht habe, eine gewerkschaftliche Arbeitslosengruppe aufzubauen, blieb ich letztlich allein auf weiter Flur und wurde mit dem Argument beruhigt, ich solle mich damit abfinden. Vor vielen Jahren gab es hier in Solingen – also vor Ort – einen engagierten Rechtsschutzsekretär der Gewerkschaft. Aber auch das ist Geschichte. Heute muss man zum DGB-Rechtsschutz in die Nachbarstadt fahren und kann von Glück sprechen, wenn man dort einen kompetenten DGB-Funktionär trifft.

Diese Erfahrungen haben mich veranlasst, die DGB-Gewerkschaft zu Ende 2017 zu verlassen und dem VdK beizutreten, um für den Fall der Fälle Rechtsschutz im Sozial- und Rentenrecht zu erhalten.

Geld verdienen mit meinem Blog

Der Vorschlag, mit meinem Blog Geld zu verdienen, ist mir nicht neu. Ich bin davon überzeugt, dass sich mein Gedankenbuch dafür nicht eignet:

* Meinen Themen fehlt der rote Faden.
* Meine Themen sind oft sehr persönlicher Natur.
* Meine Themen sind durchdacht, aber nicht tiefgründig recherchiert.
* Meine Themen sind nicht massentauglich. Nur eine Minderheit interessiert sich für sie.
* Meine Themen widerspiegeln mich und mein Eingebunden- oder auch Nichteingebundensein in diese Welt, wie ich sie sehe und empfinde.

Weder mit meinem Blog noch mit dem Schreiben eines Buches überhaupt könnte ich Geld verdienen. Es wäre nicht mein Ding. In meinem Blog geht es mir darum, meine Gedanken und Gefühle mitzuteilen und zu wünschen, dass sich der ein oder andere darin wieder findet oder sich dafür interessiert, wie ich denke und fühle.

Klärende Abschiede

Es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, dass die Pflege der meisten Kontakte auf meiner Initiative beruhte. Das hat mich immer wieder enttäuscht, weil ich nicht nachvollziehen konnte, warum das so war. Darum habe ich zweimal in meinem Leben mich bei solchen Kontakten nicht mehr gemeldet. Und das Ergebnis war beide Male dasselbe: Diese Kontakte haben sich bei mir auch nicht mehr gemeldet. Da wusste ich zuverlässig, dass ich bei den Kontakten mit diesen Menschen nur eine Randfigur war.

Heute sind Kontakte so selten, dass eine solche Maßnahme keinen Sinn mehr machen würde. Zudem habe ich versäumt – aus welchen Gründen auch immer – mir ein soziales Netzwerk aufzubauen.

Was wäre, wenn . . .

. . . ich in einem anderen Land oder in einer anderen Gegend geboren worden wäre?
. . . andere Eltern mich geboren hätten?
. . . ich kein Abitur gemacht hätte?
. . . ich mein Studium nicht abgebrochen hätte?
. . . ich andere Freunde, Lehrer und Bekannte gehabt hätte?
. . . ich meine berufliche Laufbahn klug gestaltet hätte?
. . . ich nach dem Abitur eine solide Ausbildung in der Privatwirtschaft gemacht hätte?
. . . ich politisch nicht so stark engagiert gewesen wäre?
. . . ich in anderen Beziehungen gelebt hätte?
. . . ich heute gut verdienen würde?
. . . sich mein Denken und Fühlen in eine andere Richtung entwickelt hätten?
. . . ich inneren Frieden gefunden hätte?
. . . ich früher daran gedacht hätte, mir ein soziales Netzwerk aufzubauen?
. . .

Es ist aber nicht so verlaufen – teils selbst verschuldet, teils unverschuldet. Heute bin ich der, der ich bin – und ich muss mich so annehmen und das ändern, was ich noch ändern kann. Auf jeden Fall ist es für mich wichtig, auf meinem Weg zu bleiben, nach vorne zu sehen und wieder aufzustehen, wenn ich mal gefallen bin.