Das gute und das schlechte Gedächtnis

Ich kenne Menschen mit einem tollen Gedächtnis. Sie können sich teilweise noch genau daran erinnern, wann sie oder andere etwas gemacht oder was sie gesagt haben. Menschen mit einem schlechten Gedächtnis kenne ich kaum – vermutlich sind sie mir in dieser Hinsicht näher. Wenn ich mir mein Leben rückwärts anschaue, konnte ich schon immer verhältnismäßig gut meinen Verstand einsetzen. Aber Dinge, Gesagtes, Gelesenes, Gehörtes im Gedächtnis behalten – . . .

Die meisten Menschen in meinem Leben verfügen über ein gutes Gedächtnis. Dazu gehörten in aller erster Linie meine jeweiligen Partnerinnen. Das konnte und kann ich auch anerkennen, leider aber nur theoretisch, weil ich immer wieder in den Streitmodus verfalle, wenn ich etwas anders in Erinnerung habe als mein Gegenüber. Dann kämpfe ich verbissen um meine (in der Regel falsche) Erinnerung. Und dieser Starrsinn führt dann zu Streit und in der Folge ist es dann eine schwierige Aufgabe, sich wieder zu versöhnen.

In der Theorie bin ich da eine sehr kluger Mensch: Das bessere Gedächtnis meines Gegenübers akzeptieren und mir sagen „Sie erinnert sich nun mal besser“. Denn es zeigt sich mir immer wieder, dass es besser ist, eine andere Erinnerung anzunehmen als auf Teufel komm raus Recht behalten zu wollen.

Theorie und Praxis, Gedanken und Taten – wer von uns weiß nicht aus eigener Erfahrung, wie widerstreitend und gegensätzlich Beide mitunter sein können.

Aufgaben im Leben

Tag für Tag bewusst leben und Tag für Tag so zu leben, als wäre es der letzte Tag des Lebens. Sich täglich darüber klar sein, wo man steht, wo man stehen bleiben und wo man weiterkommen will. Und sich von seinen Aufgaben nicht überrollen lassen und täglich trotz aller Widrigkeiten Freude im und Spaß am Leben zu empfinden. Gar nicht so einfach – wage ich hier mal zu behaupten.

~ Ist nicht jeder von uns auch ein Stück Egoist? Wo ist dieser Egoismus gesund und wo ist er schädlich oder gar krank?
~ Wer kann von sich ruhigen Gewissens behaupten, kritikfähig zu sein? Wer kann von sich ruhigen Gewissens behaupten, sachlich und einfühlsam kritisieren zu können?
~ Wer gibt seinen Mitmenschen immer die Rückmeldungen, die für ein konstruktives und flüssiges Gespräch nötig sind?
~ Wer verfügt über so viel inneren Frieden, dass er in (fast) jeder Situation die „Ruhe in Person“ bleiben kann?
~ Wer schafft es grundsätzlich, Gefühle und Verstand immer in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen?

Alle seine „Fehler“ verändern zu wollen würde genau so ins Leere führen wie das Bestreben, perfekt sein zu wollen bzw. zu müssen. Meines Erachtens ist die Kunst, seine „Fehler“ anzunehmen und sie so in sein Leben einzugliedern, dass man selbst keinen Schaden nimmt und möglichst auch keine wichtigen Mitmenschen.

 

Das Unveränderliche annehmen

Verschiedentlich habe ich hier schon von meinen Versuchen berichtet, mich endgültig von WhatsApp zu verabschieden (z.B. hier und hier). Das ist mir leider nicht gelungen. Nach meinem letzten Versuch habe ich mich entschlossen, zusätzlich zu Telegram und zu Threema wieder WhatsApp zu nutzen. Erklären kann ich das nur mit den folgenden Worten:

Ich habe das Handtuch geworfen:
~ Bis auf die Kontakte, die ohnehin Telegram schon nutzen, haben sich leider alle geweigert, sich einen zusätzlichen Messenger zu installieren.
~ Ich will mir diese „Diskussion“ bei neuen Kontakten nicht mehr antun: Entweder sind sie bereit für einen alternativen Messenger oder nicht. Im letzten Fall bleibt es dann eben bei WhatsApp 😞.

In einem Kommentar auf Diaspora hat ein Leser geschrieben, dass die Nichtnutzung von WhatsApp teilweise mit sozialer Ausgrenzung „geahndet“ wird. Ganz so schlimm war es nicht, aber mein Gefühl ging in diese Richtung.

Ich stelle mir auch immer wieder die Frage: Womit gebe ich mehr Privatsphäre preis – mit meinem Blog „Gerhards Gedankenbuch“ oder mit meinen WhatsApp-Nachrichten?

Warum mein Gedankenbuch einseitig ist

Im Grunde sollte das selbstverständlich sein, weil es Gerhards Gedankenbuch heißt. Sprich: Die dort geäußerten Meinungen zu persönlichen und sozialen Fragen stellen meine persönlichen Meinungen und Wahrnehmungen dar. Darum heißt es auch in der Unterzeile

Meine Gedanken zu den verschiedensten Themen des Lebens – engagiert, parteiisch, persönlich, authentisch und für Menschen, die sich eigene Gedanken machen.

Ohne diese klare Ausrichtung bräuchte ich kein Blog zu schreiben. Ich will auch nicht bekehren, sondern meinen bescheidenen Beitrag leisten zu den vielfältigen Wahrnehmungen und Meinungen der Menschen auf unserer Mutter Erde.

 

Abrüsten statt Aufrüsten!

Abrüsten statt aufrüsten – Verbot der Atomwaffen! Für ein Europa des Friedens! Unter diesem Motto finden und fanden die Ostermärsche 2019 statt. Nach Jahrzehnten politischer Inaktivität habe ich die Ostermärsche zum Anlass genommen, politisch wieder – zumindest auf diesem Weg – ein wenig aktiv zu werden. In meiner Jugend war ich politisch sehr engagiert – friedenspolitisch, kulturpolitisch, gewerkschaftspolitisch, studentenpolitisch, parteipolitisch.

Über die Gründe meines Rückzugs aus der aktiven Politik habe ich hier geschrieben.

Auch nach sieben Jahren haben ich diesen Worten nichts hinzuzufügen.

Was für Menschen ziehen unsere Gymnasien heran?

Diese Frage tut sich mir unweigerlich auf, wenn ich diesen Zeitungsartikel lese. Lernen diese Abiturienten wirklich für das Leben? Bestimmt! Aber für welches Leben? Ausschließlich für den beruflichen Teil ihres Lebens, in dem Erfolg, Leistung, Geld und Schönheit zählen. Genau das, was in unserer heutigen Berufswelt noch zählt. Arme sind da ohnehin außen vor, wie es in dem Artikel an zwei Stellen erwähnt wird.

Doch lernen diese Menschen auch, wie sie mit der menschlichen Niederlage Arbeitslosigkeit umgehen können? Auch diese Abiturienten aus vermögenden Elternhäusern sind nicht vor Arbeitslosigkeit gefeit. Lernen diese Menschen auch die Tücken von zwischenmenschlichen Beziehungen? Solche Tücken lassen sich weder mit Erfolg, Leistung noch mit Geld und Schönheit ausgleichen. Da ist oft mehr Charakter gefordert als bei einer beruflichen Karriere. Und Beides spielt oft ineinander.

Warum müssen sich diese Abiturienten selbst so feiern? Das würde ich gerne einmal von Betroffenen – Abiturienten, Eltern, Lehrern – wissen. Ich kann es schlichtweg nicht nachvollziehen.

Demokratie und freie Meinungsäußerung

Schon vor vielen Jahren bin ich aus meinem politischen Engagement ausgestiegen. Und noch länger war ich auf keiner Demonstration mehr. Meine heutige Teilnahme an der Düsseldorfer Demonstration für ein freies Internet hat mir daher noch einmal vor Augen geführt:

Unsere Demokratie fußt auf dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Die frühen Demonstrationen der Arbeiterbewegung, die Demonstrationen der 68er Bewegung und heute die Demonstrationen der Schüler fürs Klima, die Demonstationen der Braunkohlegegner und und und . . . Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, unserer Demokratie eine gesunde und starke Grundlage zu geben. Und heute sind sie ein unabdingbares Muss, um diese unsere Demokratie zu erhalten, zu pflegen und noch stärker zu machen.

Wer die Schüler (um nur dieses Beispiel zu nennen), die Freitag für Freitag für unsere und ihre Umwelt auf die Straße gehen, verunglimpfen will, ist ein Feind unserer Demokratie. Und ich wünsche den Schülern für ihren Kampf viel Kraft, Durchhaltevermögen und Fantasie.

Oma und Opa

In den Geschichten, die ich meinen Bewohnerinnen und Bewohnern im Altenheim vorlese, sind häufig Geschichten von Oma und Opa – liebenswerten Menschen, die von ihren Enkeln über alles geliebt und geschätzt werden, weil sie ihnen so viel mit auf ihren Lebensweg geben.

Hattet Ihr auch eine solch tolle Oma, einen solch tollen Opa?

Meine Oma war eine verbitterte Frau, die ich gar nicht mochte. Ihre Verbitterung war aber auch nicht verwunderlich, weil sie in der Nachkriegszeit alleine drei Kinder ins Leben zu begleiten hatte. Meinen Opa habe ich sehr gerne gemocht. Ich werde nie vergessen, dass er mir meine erste Gießkanne geschenkt hat. Leider verstarb er zu früh. Ich glaube, ich war erst fünf Jahre jung.

Gefühle in Worte fassen

Regelmäßige Leser meines Gedankenbuchs wissen, dass ich häufig über meine Gefühle schreibe. Das fällt mir oft nicht leicht, weil ich manches Mal nicht weiß, wie ich meine Gefühle in verständliche Worte kleiden kann. Schließlich möchte ich, dass Jeder versteht, wovon ich schreibe. Das ist mir in allererster Linie wichtig. Zweitrangig ist mir, ob meine Leser meine Gefühle gefühlsmaßig für sich nachvollziehen können.

Ich möchte niemanden davon überzeugen, dass meine Gefühle – so wie ich sie empfinde und lebe – annehmbar sind. Das sind sie nämlich oft nicht. Und sie sind oft auch widersprüchlich. Doch gehört das nicht auch zum Leben? Es mag Menschen geben, die ihre Gefühle grundsätzlich „im Griff“ haben. Ich bin überzeugt, dass diese Menschen entweder ihre Gefühle verdrängen oder wissen, sie ihre Gefühle mit ihren Gedanken in Übereinstimmung bringen können. Diese Menschen verfügen über einen wertvollen Schatz.

Es ist für mich auch immer wieder eine Herausforderung, meine Gefühle sachlich rüber zu bringen. Das ist meines Erachtens die Voraussetzung dafür, dass ich verstanden werde (siehe oben).

WhatsApp: Abschied und Rückmeldungen

Am 1. Februar habe ich mich von WhatsApp getrennt und das meinen WhatsApp-Kontakten mitgeteilt. Die aktuellen Kontaktmöglichkeiten habe ich nochmals genannt und mit meinem Wunsch verbunden, dass wir in Verbindung bleiben.

Hier einige Rückmeldungen (von neun angeschriebenen Kontakten):

schade, dass Du nicht mehr bei whatsapp bist. Hast Du keine guten Erfahrungen gemacht?

Weitere Rückmeldungen hat es nicht gegeben. Es gab auch niemanden, der mich mit einem Telegram- oder Signal-Konto überrascht hat.

Im Grunde genommen ist der Abschied von WhatsApp gar nicht schwer, wenn Du damit leben kannst, dass einige WhatsApp-Kontakte mit Dir nicht mehr in Verbindung bleiben wollen – zumindest nicht über einen Messenger.